Brief no.4 – Suzusan und Shibori

Suzusan und Shibori – Oder, wenn Tradition mit der Zeit geht.

Liebe Leser*innen

Wenn eine Familientradition Japan mit Deutschland und zeitgenössischem Design verbindet, dann sprechen wir von Suzusan. Bereits in fünfter Generation widmet sich die Murase-Manufaktur in Arimatsu (Japan) der Stoffveredelung durch Shibori, einer Volkskunst, die mit dem Sohn und Creative Director, Hiroyuki Murase, eine zeitgemässe Fortsetzung findet – in Form eines international vertretenen Labels für Mode und Accessoires, mit Sitz in Düsseldorf.

Shibori ist ein japanischer Begriff, der seinen Ursprung im Wort «shiboru» findet, was so viel bedeutet wie «drücken» oder «pressen». Vor dem Färben werden Hölzer, Steine, Bohnen u.a., durch gekonntes und kunstvolles Wickeln, Falten, Knoten, Vernähen und Schnüren der Stoffe in einem Bündel zusammengepresst. Gefärbt wurde und wird bis anhin, so auch bei Suzusan, mit Indigo, Randen, Persimon oder Garance. Daraus entstehen mehrdimensionale, räumlich wirkende Muster, die sowohl von präziser Technik wie auch von einer vom Zufall geprägten Ästhetik leben.

Heute würden wir das traditionelle Verfahren, wie in seinen Ursprüngen angewendet, mit Upcycling bezeichnen. Denn es waren zuerst die armen Leute, die mit raffinierten Shibori-Techniken ihre in die Jahre gekommenen Textilien aufgewertet haben, erst später haben die Wohlbetuchten die Kunst für sich und ihre Kimonos entdeckt. Die ersten Shibori-Fundstücke datieren auf das 8. Jahrhundert zurück und sind, wie auch die Anwendung der Techniken, bis heute erhalten.

Eine über Jahrhunderte weitergereichte Tradition in die Moderne zu überführen, heisst auch, mit der Zeit zu gehen. Der Generationenwechsel in Familienunternehmen bedeutet nicht in wenigen Fällen, das Ende einer zuvor blühenden Handwerksära. Migrationsgeschichten gehören zur Menschheit, und im Besonderen, zur Geschichte des Handwerks. Nicht immer führt der Weggang zu einem Bruch mit den Traditionen und Wissensverlust, im Gegenteil, Neues kann entstehen, solange die Wurzeln gepflegt werden. So verbindet Hiroyuki Murase, der seiner Heimat nie ganz den Rücken gekehrt hat, das geerbte, taktile Gespür mit neuen kulturellen Einflüssen.

Der Kunst wie auch der Natur und der Tradition verpflichtet, findet der Designer seinen Freiraum in deren Zusammenspiel. Dies zeigt sich bei Suzusan in einer ausgewogenen Mischung aus kultivierter Bescheidenheit, Handwerk und lebendiger Kunst. Eine Perfektion wird nicht angestrebt. Die Hand findet die Schnittlinie blind, während die Intuition das Kunstvolle hervorbringt. Durch seine Übersetzung, der Tradition in die Moderne, bilden sich neue Wurzeln für ein Erbe, das noch über viele Generationen hinweg Bestand haben wird.

Wie Suzusan die handwerkliche Tradition in der aktuellen Kollektion umgesetzt hat, und wie sich diese einzigartige Qualität anfühlt, zeigen wir Ihnen gerne bei uns an der Löwenstrasse.

 

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Ihr THE APARTMENT STORE-Team