Gender

Vier Reihen, vier Individuen, vier Körperhaltungen, vierzig Identitäten: Ein Projekt, das fesselt, Fragen stellt und einlädt, zu entdecken, wie sich Grenzen und Sehgewohnheiten auflösen.

Wir sehen eine Gruppe, die sich aus vielen einzelnen unterschiedlichen Individuen zusammensetzt. Jedes Individuum ähnelt leicht den anderen der horizontalen Reihe und doch konstatiert sich immer eine eigne Persönlichkeit. Was in der Einzelsicht ein klares Profil ergibt, einen Charakter mit seinem ganz eigenen Ausdruck, wird in der Draufsicht zur Einheit. Die Einheit macht stark, gibt Kraft und simplifiziert gleichzeitig den individuellen Ausdruck der einzelnen Persönlichkeit. Ein Spiel zwischen Individualität und Konformität? Eher ein Ausloten von Grenzen und ein ungeduldiges Wandern zwischen dem Blick in die individuelle Seele und der Formgebung der Gruppe.

Ein Verwischen der Geschlechtergrenzen liegt jeder Reihe inne. Wie viele Geschlechter sind zu sehen? Unser Kopf möchte erkennen und einreihen. Bei längerer Betrachtung fällt aber auf, dass dies der Arbeit nur sekundär wichtig ist und die Basis hier nicht ein Rätselspiel mit den drei Geschlechtern ist, sondern ein Auflösen dieser Kategorien an sich.

Jedes Bild stellt eine Persönlichkeit dar, die sich mit Haltung Körperlichkeit, Kleidung, Schmuck, Frisur eine Identität geschaffen hat und sich so von den vermeintlichen Zwillingen absetzt. Ein Ähneln ist in der Menschlichkeit gegeben, aber der Ausdruck ist immer ein individueller. Er ist zentral und kraftvoll und in ihm wird auch ein Innenleben, eine Geschichte zutage getragen, die interessiert oder berührt. Jeder Ausdruck im Äusseren gibt auch den inneren Eindruck preis, wir müssen nur genau hinschauen - bei den vierzig Persönlichkeiten vor uns, bei den Menschen um uns herum und bei uns selbst.

Sven Tedden, Zürich